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06.01.2015
12:59

Unterschiede zwischen industrieller und akademischer Forschung

Seit meinem letzten Blogeintrag hat sich einiges geändert. Nachdem ich ungefähr 1,5 Jahre als Gruppenleiter an einem Max Planck Institut (MPI) geforscht habe, bin ich nun seit fast einem Jahr als Wissenschaftler in der Industrie tätig. Erstaunlicherweise ähnelt mein jetziges Aufgabenspektrum dem am MPI sehr. Daher lohnt es sich, die Rahmenbedingungen zu vergleichen.

1.      Was ist das Ziel der Forschung?

Der größte Unterschied zwischen akademischer und industrieller Forschung ist wahrscheinlich die Zielsetzung. In der akademischen Forschung sind Publikationen die bare Münze. Dagegen fokussiert sich der industrielle Forscher in der Regel auf ein zu vermarktendes Produkt.

2.      Wieviel Zeit hat man, um das Ziel zu erreichen?

Die Zeit, die für die Umsetzung der verschiedenen Zielstellungen vorgesehen ist, unterscheidet sich deutlich: Für eine solide Publikation plant man 2-3 Jahre Arbeit ein,  dann ist das Paper nach einigen Anläufen veröffentlicht und man wendet sich neuen Projekten zu (meist arbeitet man als Gruppenleiter, aber an mehreren Projekten gleichzeitig). Um jedoch ein Produkt auf dem Markt zu etablieren, können über 10-20 Jahre verstreichen.

Was passiert mit "negativen" Ergebnissen?

3.      Die Ergebnisflexibilität der akademischen, Publikations-getriebenen Forschung unterscheidet sich von der Produktzielsetzung der Industrie. Während in der Grundlagenforschung positive wie auch negative Daten (bezogen auf die Ausgangshypothese) veröffentlicht werden können, zählt bei meinen jetzigen Job letztendlich nur das positive Ergebnis. Zwar gewinnt man mit negativen Ergebnissen an Erfahrung, aber ein direkter Nutzen im Hinblick auf die gesetzten Ziele entsteht dadurch oft nicht.

Wie läuft die Forschung ab?

4.     Die Wahl der Methoden und Materialien, die ich im akademischen Umfeld nutzen konnte, waren - abgesehen vom Forschungsbudget kaum limitierend. Im industriellen Sektor hingegen, prüfe ich immer die sogenannten intellectual property (IP), bevor ich Ideen umsetze. Oft sind einfache Lösungen schon patentiert, und daher kaum nutzbar. Genaue Formulierungen in den claims von Patenten sind zu prüfen, bevor man bestimmte Methoden nutzen kann. Dafür gibt es professionelle Kollegen, die sich um solche Fragen kümmern.  Macht es strategisch Sinn, kann man natürlich teure Lizenzen einkaufen. Sind gewisse Ideen schon mit Patenten belegt, muss man alternative Strategien entwickeln. Das erfordert meiner Meinung nach ein höheres Maß an Flexibilität und Kreativität als das bei vielen akademischen Projekten der Fall ist.

5.     Neben patentrechtlichen Fragestellungen muss man sich als industriell Forschender auch Gedanken um Nachhaltigkeit, Allergenität, Umweltverträglichkeit und Verbraucherverhalten machen.

 

Ich stelle mir die Frage, warum es zu unseren Studienzeiten keine Seminare zum Thema Industrie als Arbeitgeber oder Forschen in der Industrie gab?

Die Jobmöglichkeiten im akademischen Umfeld sind sehr limitiert. Studenten haben sicherlich großes Interesse an den Herausforderungen in der industriellen Forschung. Natürlich muss die Uni dem Grundprinzip der Unabhängigkeit akademischer Forschung entsprechen. Allerdings wäre es hilfreich, wenn die Professor(inn)en den Studenten noch stärker die Gelegenheit geben, sich mit den beruflichen Perspektiven in der Industrie auseinanderzusetzen. Speziell in den Biowissenschaften könnte ich mir das ein oder andere Seminar zum Thema Industrielle Forschung vorstellen.

20.09.2012
21:34

Forschen im Tag Nacht Rhythmus

  Fressen bestimmte Pflanzenschädlinge eher am Tag oder in der Nacht? Reagiert die Pflanze anders, wenn sie morgens oder abends attackiert wird? Solchen spannenden Fragen gehe ich im Moment auf den Grund. In einem Team aus zwölf Wissenschaftlern versuchen wir herauszufinden, ob der Tag-Nacht-Rhythmus, auch circadianer Rhythmus genannt, einen Einfluss auf die pflanzliche Resistenz gegen Schädlinge hat. Dabei müssen wir öfters im 24 Rhythmus Experimente machen: da ist Schichtarbeit angesagt! Um den Einfluss der Rhythmik zu verstehen, benutzen wir auch genetisch veränderte Pflanzen, deren inne Uhr verändert ist. Die Pflanzen befinden sich dauerhaft im Jetlag. Mit solchen Pflanzen kann man fast mitfühlen, wenn man wieder mal eine Nacht im Labor verbracht hat.

05.08.2012
05:25

Cornell

  Die Cornell-Universität befindet sich in Ithaca, im Bundesstaat New York. Ich wohne für eine Woche bei einem Wissenschaftler, der am Boyce-Thompson-Institut für Pflanzenforschung arbeitet. Im Vergleich zu den meisten Unis, die ich in Deutschland kenne, ist der Campus riesig. Man merkt, dass Unis, wie Cornell oder Harvard, wie eine Firma geführt werden und einen Etat verwalten, der dem mancher kleiner Länder entspricht. Riesige Forschungskomplexe sind in die reizende Landschaft eingebunden. Wenn man aus den Fenstern oberer Etagen schaut, sieht man die Seen und die durch Gletscher, während der letzten Eiszeit, geformten Täler.

 In Cornell gibt es besonders viele Forscher, die auf meinem Gebiet arbeiten und ich habe schon mit vielen von ihnen sprechen können, deshalb war der bisherige Aufenthalt bereits eine Bereicherung für mich. Die meisten Leute kannte ich nur von Publikationen. Nächste Woche werde ich einen Vortrag über ein Projekt halten, dass ich in Kürze publizieren möchte, daher ist es wichtig, auch mal eine Meinung von externen Experten zu bekommen; zumal vielleicht einige der Forscher als Gutachter für mein Manuskript in Frage kommen.

 Wie immer in den USA bin ich anfangs von der Offenheit der Leute und von der Schönheit der Natur beeindruckt. Nicht nur geographisch, sondern auch geistig scheint es hier weniger Grenzen zu geben. Im Vergleich zu Deutschland hat das Leben hier allerdings auch einige Nachteile, insbesondere für junge Familien mit Kindern. Darüber werde ich noch einen ausführlichen Blog auf unserer Seite bei Academics schreiben.

24.06.2012
13:12

iDiv

  Das neue Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) entsteht in Leipzig und wird von der Universität Leipzig (UL), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) getragen. Neben dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie (MPI BGC), dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA), dem Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB), dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), dem Leibniz-Institut Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), dem Leibniz-Institut DSMZDeutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, wird sich auch unser Max-Planck-Institut für chemische Ökologie (MPI CE) mit eine externen Arbeitsgruppe am iDiv beteiligen.  Die Leitung dieser Arbeitsgruppe werde ich übernehmen.

Biodiversität ist die Anzahl der Arten, die in einem bestimmten Habitat vorkommen. Das iDiv wird nicht nur  Artenzusammensetzungen, sondern auch die Mechanismen untersuchen, die zur Artenvielfalt beitragen bzw. diese bestimmen.

Die Interaktion zwischen einzelnen Arten, z.B. Pflanzen und Insekten, wird maßgeblich von chemischen Merkmalen bestimmt. Giftige Abwehrstoffe mancher Pflanzen haben möglicherweise einen negativen Einfluss auf die Insektenvielfalt, wohingegen Blütenduftstoffe Bestäuber anlocken und somit Artenreichtum fördern.

Mit meiner Arbeitsgruppe werde ich den Einfluss solcher chemischen Signale auf die Biodiversität untersuchen.  Dabei werden wir mit Pflanzen arbeiten, bei denen diese Merkmale genetisch verändert sind. Meine Aufgabe in Leipzig wird es auch sein, eine Schnittstelle zwischen dem iDiv und unserem Institut herzustellen. Nur durch interdisziplinäre Ansätze (Ökologie, Bioinformatik, Chemische Analytik, Genetik...) wird es uns gelingen die Faktoren zu identifizieren, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Biodiversität haben.

Morgen, also am Montag (25.06.2012) werde ich meinen ersten Vortrag am iDiv in Halle geben. Die nächsten Monate werden also recht spannend und ich werde hier im Blog von meinen neuen Aufgaben berichten.

13.06.2012
20:38

DAAD travel grant

  Jetzt als Postdoc wird es langsam Zeit sich selbst um die Finanzierung seiner Wissenschaft zu kümmern. Ich arbeite mit zwei Diplomanden an der pflanzlichen Schneckenresistenz, ein Projekt das großes öffentliches Interesse erzeugt. Jeder kennt die kleinen Schleimkriecher und es ist erstaunlich wenig über deren Biochemie/Molekularbiologie bekannt, obwohl jährlich enorme Schäden in der Landwirtschaft durch Schnecken entstehen. Da grüne Gentechnik oft mit einem faden Beigeschmack daherkommt, muss man sich als Pflanzenbiochemiker mit alternativen Strategien zur Schneckenbekämpfung beschäftigen. Eine Methode, die auf traditionelle Kreuzung zurückgreift, ist das Marker-assisted-breeding. Um mit dieser Methode pflanzliche Merkmale der Schneckenresistenz zu finden habe ich zusammen mit einem amerikanischen Prof., ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet, ein Projekt geplant. Der Prof forscht an der angesehenen Cornell Universität und jetzt ist es an der Zeit ihm mal einen Besuch abzustatten. Mein Antrag an den Deutschen-Akademischen-Austauschdienst (DAAD) für einen Besuch in Cornell ist stattgegeben wurden. Dazu musste ich begründen warum ich dorthin reise und der Prof musste mir eine Einladung schicken, aus der u.a. hervorgeht, dass er mir eine Unterkunft zur Verfügung stellen kann.  Jetzt da der Antrag durch ist, werde ich meine Reise nach Cornell planen können. So bekomme ich vom DAAD einen Reisekostenzuschuß von 1050 Euro. Das sollte für die Flüge reichen.

Dr. Dorothea Meldau
Biologin
Dr. Stefan Meldau
Biologe
Abschluss der Promotion 2013

Bildet sich zurzeit im Bereich Wissenschafts-
kommunikation weiter.
Wissenschaftler bei der KWS SAAT AG in Einbeck