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12.03.2013
21:51

Gordon conference

  Nach langer Pause schreibe ich nun mal wieder einen Blogeintrag. Ich war vor zwei Wochen auf der Gordon conference: Plant-herbivore-interactions in Kalifornien. Gordon Konferenzen sind ja die crème de la crème unter den Tagungen eines bestimmten Fachgebietes. Es werden nur relativ wenige Forscher zugelassen (in diesem Fall ca. 200) und die Konferenz bietet viel Raum für Interaktionen. So gibt es jeden Tag nur sechs Vorträge und nur eine Postersession. Die Teilnehmer wurden darum gebeten, Daten zu präsentieren, die noch nicht publiziert sind und die meisten Leute (ich auch) hielten sich daran. Das war schon ein großer Unterschied zu anderen Tagungen, die ich bis jetzt besucht hatte. Dort wurden meist Ergebnisse referiert, die man auch in den Fachzeitschriften schon gelesen hatte. Die spannenden Diskussionen fanden meist nach dem offiziellen Tagungsprogramm statt. So gesehen war der Stil dieser Gordon Konferenz schon anders. Aber: ein großer Wermutstropfen bleibt: Warum muss diese Veranstaltung in einem extravaganten teuren Hotel, direkt am Strand gelegen, stattfinden? Allein die Tagungsgebühr von fast 1000 $ für 4.5 Tage ist völlig übertrieben. Mann kann so eine Konferenz sicher auch billiger organisieren. Ich brauche kein Whirpool vor dem Zimmer und den Strand einen Steinwurf entfernt, wenn ich spannende Forschung diskutieren kann. Dafür sollten wir keine Steuergelder ausgeben! Allerdings habe ich wichtige Kontakte knüpfen können und hoffe, dass daraus künftige Kooperationen entstehen.

07.10.2012
22:42

Biologen verlieren den Blick f?¼r die Natur

Das Klavier verstummt und die Querflöte trällert noch ein, zwei Akkorde bevor die letzten Klänge der Bach-Sonate im Applaus untergehen. Die beiden Musiker sind sicher schon über 80 Jahre alt. Es handelt sich um Jerrold Meinwald, einen emeritierten Professor aus Cornell, und seine Frau Charlotte. Ihre Darbietung ist einer der Höhepunkte am ersten Abend des Ethomics-Meetings in Jena. Organisiert wurde die kleine Konferenz vom MPI für Chemische Ökologie.

Der Begriff Ethomics war mir auch neu und ich musste erst mal googeln. Nun, da Biologen den genetischen Code der ganzen Biosphäre entschlüsseln, ist es an der Zeit die Bedeutung des genetischen Materials für das Überleben des einzelnen Organismus zu untersuchen. Und zwar nicht nur in einem Reaktionsgefäß im Labor, sondern im Kontext der natürlichen Umgebung eines Lebewesens. Und darum geht es bei Ethomics.

Jerrold Meinwald hat jahrzehntelang mit Thomas Eisner, einem Biologen aus Cornell, gearbeitet. Thomas Eisner ist letztes Jahr verstorben und dieser Abend stellte eine kleine Hommage an sein Lebenswerk dar. Neben ehemaligen Kollegen und Freunden kommen auch einstige Doktoranden zu Wort. In einer Broschüre finden sich viele Nachrufe von bedeutenden Mitstreitern (z.B. in der New York Times: http://www.nytimes.com/2011/04/05/science/05angier.html?pagewanted=all). Thomas Eisner hat in seiner langjährigen Forschertätigkeit oft das gemacht, was den modernen Biologen von heute abhandengekommen ist: die Natur beobachtet. Vor allem Insekten hatten es ihm angetan. Glücklicherweise standen ihm in Cornell exzellente Chemiker, wie z.B. Jerrold Meinwald, an seiner Seite, die er für seine biologische Forschung begeistern konnte. Mit ihrer Hilfe entschlüsselte er viele chemische Signale die Insekten untereinander, z.B. bei der Paarung, austauschen. Laut Jerrold Meinwald war die Untersuchung der Käferexkrete aus Sicht eines Chemikers nicht gerade ein Hochgenuss, da deren chemische Zusammensetzung zuweilen recht simpel ist / war. Eisner schaffte es jedoch, die Analyse der Verbindungen mit ihrer Funktion in der Natur zu verknüpfen und war somit ein Vorreiter der Chemischen Ökologie. 

Die Vorträge an diesem Abend machten noch ein Problem moderner biologischer Forschung deutlich: Biologische Fachzeitschriften strotzen heutzutage von Forschungsergebnissen, die gerade mal durch Untersuchungen an einer Handvoll Modelllebewesen gewonnen werden. Dazu gehören z.B. Mensch, Maus, Ackerschmalwand (ein gerade mal einige Dezimeter großes Unkraut), Fruchtfliege, Zebrafisch und ein unscheinbarer Fadenwurm. Diese Organismen werden Molekül für Molekül und Gen für Gen akribisch untersucht. Allerdings hat ein Großteil der Forscher ihr Forschungsobjekt (Humangenetiker ausgenommen) noch nie in freier Natur gesehen. Das ist insofern auch nicht nötig, um die Interaktionen von Proteinen miteinander zu untersuchen, oder welche Gene für bestimmte Entwicklungsprozesse verantwortlich sind. Natürlich ist diese Grundlagenforschung ist sehr wichtig, allerdings verliert sich bei vielen Wissenschaftlern der Blick im Detail und zudem ist es fraglich, ob die gewonnen Erkenntnisse 1:1 auf andere Organismen übertragen werden können. Ich möchte mich da nicht ausgrenzen, bin aber froh, dass meine Ausbildung auch im Freiland stattfand (siehe http://www.kisswin.de/karrierewege/blog.html?tx_t3blog_pi1[blogList][showUid]=6&tx_t3blog_pi1[blogList][year]=2011&tx_t3blog_pi1[blogList][month]=06&tx_t3blog_pi1[blogList][day]=01&cHash=32bfb7f864b1e3384a23f4b7580809d5).

Das Eisnerische Prinzip wieder aufzugreifen,  war ein Schwerpunkt dieses Ethomics meetings. Wenn wir verstehen wollen, wie einzelne Gene das Überleben von Arten sichern, dann müssen wir die Tore der Labore öffnen und wieder vermehrt einen Blick in die Natur wagen.

Das Ende dieses Abends markiert eine Diashow mit vielen genialen Bildern die Tom Eisner von der Natur gemacht hat, begleitet von Charlotte und Jerrold Meinwalds`zauberhaften Bach-Interpretationen.

 

06.08.2012
08:52

Sonderforschungsbereich (SFB)

Dieses Blog schrieb ich schon im Juni, doch es verschwand im "Sommerloch" ;) Da es trotzdem noch Aktualität aufweist, poste ich es nun, mit fast 2 Monaten Verspätung.

Freitag früh um 5 Uhr ging es los: eine Kollegin fuhr mit dem VW Bus vor und als unser Trio komplett war, fuhren wir Richtung Dortmund. Es erinnerte schon ein wenig an Urlaub, so früh unterwegs zu sein. Doch, natürlich war es dies nicht. Nein, wir drei Wissenschaftler waren unterwegs zu einem Kick-Off-Treffen bei dem es um die Grundsteinlegung eines Scientific Priority Programm (Sonderforschungsbereich, SFB) ging. Da unser Chef durch Feldarbeiten in Utah verhindert war, durften wir drei, mikrobiell-interessierten Forscher ihn vertreten.

Ein SFB besteht (meistens) aus einem interdiziplärem Forschungsvorhaben, in das verschiedene Forschergruppen unterschiedlicher Universitäten und Forschungseinrichtungen involviert sind. Die Finanzierung solcher SFBs übernimmt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), muss bei dieser beantragt werden und durchläuft ein stringentes, über 2 Jahre dauerndes, Auswahlverfahren. Das Kick-Off-Treffen, welches wir besuchten, repräsentierte gerade mal den Auftakt eines Antragsverfahrens: die DFG hatte am Themenvorschlag angebissen und die Organisatoren aufgerufen, potentiell interessierte Forschergruppen zusammen zu trommeln, um Inhalte und Ziele und letztlich die Teilnahme am Schirmprojekt zu diskutieren und mit den anderen Forschergruppen auf Tuchfühlung zu gehen. Neben unserer Arbeitsgruppe, waren 20 weitere Forschungsgruppen und die Programmdirektorin für Molecular Plant Sciences der DGF vertreten.

So stellte jede Gruppe in 5min mehr Zeit blieb nicht ihre Forschungsschwerpunkte, wissenschaftliche Expertise, sowie möglichen Beiträge zum Konzept und Kooperationsmöglichkeiten vor. Ob wir letztlich Teil des SFB sein werden, steht noch nicht fest. Der Weg jedoch, der vor den Hauptantragstellern liegt, ist klar definiert. Wenn sich ein wissenschaftlicher Kern gefunden hat, muss dieser zum 15.10. 2012 einen aufwendigen, überzeugenden Antrag formulieren, über dessen Annahme im April 2013 entschieden wird. Erst danach kann die Finanzierung konkreter Teilprojekte beantragt werden, die nochmals eine separate Begutachtung durchlaufen. Mit dem Start der einzelnen Projekte kann erst im Frühling 2014 gerechnet werden.

Gut Ding braucht Weile!

 

 

22.05.2012
07:13

28. New Phytologist Symposium - Tag 4 (21.05.)

  Auch am letzten Tag der Konferenz ging das Programm nur bis zum Mittagessen. Danach brachen erste Teilnehmer schon gen Flughafen auf. Ich, sowie viele weitere Gäste, fliegen aber erst Morgen heim, sodass wir den Nachmittag noch zum Relaxen oder für die kulturelle Bildung nutzen konnten. Genau: Wir versuchten es nochmal mit den Kallithea Thermen. Diesmal auch mit Erfolg, auch wenn am Himmel schon wieder düstere Wolken aufzogen...

Ich muss gestehen: mir genügten die 3 Tage des Zuhörens, Präsentierens, Diskutierens (und das alles ständig auf Englisch). Irgendwann kann man nicht mehr sitzen; der Kopf ist voll, man will sich bewegen. Ich will aber erwähnen, dass ich die Konferenz super fand: Vom Thema her war sie perfekt auf mich zugeschnitten und auch dem Organisation-Team soll an dieser Stelle ein großes Lob ausgesprochen werden! Gerne wieder!

Was nehme ich mit nach Hause? PYROSEQUENCING.... lautet das Zauberwort! Aber ich packe noch eine andere Erfahrung in meinen Koffer: Wir Forscher, das relative neue Gebiet der Interaktionen von Pflanzen mit Mikroben studieren, sind nicht allein in unserer wissenschaftlichen Unvollkommenheit und Ungewissheit! Wir haben alle ähnliche Zweifel: Wonach suchen wir eigentlich? Gehen wir richtig an die Fragestellungen ran? Nutzen wir die richtigen Methoden? Sind unsere Ergebnisse vergleichbar und unabhängig von einander wiederholbar? Lieber Panorama (Fokus auf die Mikrobengesellschaft) oder Zoom (Fokus auf ein bestimmtes Bakterium)?

Wir sitzen alle in einem Boot... Diese Erkenntnis erleichtert doch sehr!

 

21.05.2012
17:37

28. New Phytologist Symposium - Tag 3 (20.05.)

  Am Sonntag gab es nur morgens Vorträge, denn um halb zwei starteten die Busse, die uns nach Rhodos zum Sightseeing brachten. Unserem Guide zufolge sind sich 80% der Urlauber nicht über die Existenz der wunderschönen Altstadt Rhodos (die sich zum UNESCO Weltkulturerbe zählen darf) bewusst vielleicht ist das auch ganz gut so. Denn allein die verbleibenden 20% reichen aus, um die kleine Altstadt zum Überlaufen zu bringen.  Rhodos ist mit seinem nahezu komplett erhaltenden, vorwiegend gotischem Stadtkern, definitiv eine Besichtigung Wert! Auch den Überbleibseln der Akropolis und dem helenistischen Stadium wurde ein Besuch abgestattet.

Wieder im Hotel angekommen, lauschten wir einer Keynote Lecture zum Thema marine Mikrobengesellschaften und deren Dynamik. Danach gab es ein ausgedehntes Abendessen und anschließend wurden die Posterpreise vergeben. Ich hatte Glück: unter den 100 Postern erhielt meines den 2. Platz und so darf ich also meinen Lebenslauf mit einem Preis schmücken!      

Dr. Dorothea Meldau
Biologin
Dr. Stefan Meldau
Biologe
Abschluss der Promotion 2013

Bildet sich zurzeit im Bereich Wissenschafts-
kommunikation weiter.
Wissenschaftler bei der KWS SAAT AG in Einbeck