KISSWIN.DE-Blog

06.06.2011
15:33

business as usual

Ein ganz normaler Tag auf der Feldstation

5 Uhr: Aufstehen, Koffeinaufnahme

5-7 Uhr: emails beantworten, an der Publikation arbeiten (geht frühs besonders gut, da der Kopf noch frei ist)

7 Uhr: Frühstück

7.30-11.00 Uhr: Feldarbeit, z.B. Raupeneier an Pflanzen kleben, oder nachschauen wie viele Eier vom Vortag schon von räuberischen Insekten gefressen wurden sind

(die Räuber werden von Duftstoffen der Pflanze angelockt und wir schauen ob unsere Experimente an den Pflanzen diesen Prozeß beeinflussen)

11.00-12.00: optimalerweise eine Runde Laufen gehen

12.00-13.00: Mittagessen

13.00-15.00: Siesta! Zu heiß zum Arbeiten.. D.h. z.B in der Hängematte abhängen, oder bestimmte Sachen erledigen die so anfallen, wie z.B. Wäsche waschen

15.00-18.00: zurück zu den Pflanzen im Feld, Screening des Insektenschadens und Anzahl der Insekten an den Pflanzen, schwitz. Wenn Zeit ist, nochmal in den Teich springen)

18.00-19.00: Abendessen (2 Leute sind immer für das Kochen verantwortlich), gleichzeitig werden Naturbeobachtungen besprochen und in ein Buch eingetragen (da bekommt man ein feeling für die Umgebung hier)

19.00-21.00: Feldarbeit, emails, Paper schreiben

21.00-22.00: 1 bis 2 Folgen Big Bang Theory anschauen. (die tägliche Dosis Ironie)

Danach Schlafen gehen (im Zelt oder im Trailer).

 

 

 

 

 

03.06.2011
05:15

Was motiviert mich eine Doktorarbeit zu machen?

Der Hauptgrund ist fuer mich das Interresse am wissenschaftlichen Projekt. Um weiterhin daran zu arbeiten, war die Doktorarbeit fast zwangslaeufig der naechste Schritt nach dem Diplom (ja, ich hab noch eins, freu).

Mein Promotionsthema ist fast identisch mit dem meiner Diplomarbeit und ich wollte gern an dem Projekt weiterarbeiten.

Ein weiterer Grund ist, dass es fuer Biologen mit Diplom nicht so viele Jobs in der Industrie gibt, wie vielleicht fuer Absolventen anderer Studiengaenge. Die einfachste Loesung nicht gleich nach dem Studium fuer ungewisse Zeit im Jobcenter zu landen ist daher die Promotion.

Allerdings wuerde ich nicht empfehlen aus Mangel an einfachen Alternativen eine Doktorarbeit zu beginnen. Ohne hohes Interresse fuer das wissenschaftliche Thema macht es wenig Sinn so viel Zeit und Energie in eine Doktorarbeit zu stecken.

Bestimmte Schlagzeilen in der Presse in den letzten Monaten haben vielleicht teilweise den Eindruck erweckt dass das Anfertigen einer Doktorarbeit eher einem feierabendlichem Zeitvertreib gleicht. Bei mir und bei den meisten Leuten die ich kenne ist es ein full time Job, oft auch am Wochenende.

Dabei ist die Bezahlung fuer Doktoranden meist wesentlich geringer als vergleichbare Jobs fuer Hochschulabsolventen in der freien Wirtschaft.

Aus oekonomischer Sicht macht es deshalb eher weniger Sinn jahrelang eine Doktorarbeit anzufertigen.

Das Umfeld spielt natuerlich auch eine grosse Rolle bei der Entscheidung irgendwo eine Doktorarbeit zu machen. Die Abteilung in der ich arbeite ist technisch sehr gut ausgestattet. Das ist gerade fuer die Erforschung biologischer Systeme wichtig, da die meisten Geraete fuer die chemisch-physikalischen Analysen nicht wirklich preiswert sind.

Es gibt sicherlich noch eine Reihe weiterer Gruende zu promovieren. Die werde ich aber an anderer Stelle beleuchten. 

 

 

01.06.2011
04:31

Feldarbeit

some like it hot

Great Basin Desert, Utah, USA.

Circa zwei Autostunden von Las Vegas entfernt.  110 Grad Celsius Fahrenheit (42 Grad Celsius), kein Schatten. Neben mir eine `wilde` Tabackpflanze (Nicotiana attenuata). Ich gebe meiner indischen Kollegin Vaiju Frassschaeden von Insekten durch. 10 % Grasshuepferschaden, 15 % Raupenschaden. Das wars. Auf zur naechsten Pflanze.

Wir analysieren den Einfluss bestimmter Merkmale von Pflanzen auf deren Resistenz gegen Insekten. Das laesst sich besonders gut in der natuerlichen Umgebeung des wilden Tabacks untersuchen.

Ich bin im 5. Jahr meiner Doktorarbeit, die ich am Max-Planck-Institut fuer Chemische Oekologie mache. Neben Untersuchungen im Labor haben wir die Moeglichkeit unsere wissenschaftlichen Hypothesen direkt in der Natur zu ueberpruefen. Das System an dem wir arbeiten ist weltweit einmalig und kombiniert die Erforschung oekologischer, molekularer und chemischer Aspekte pflanzlicher Resistenz gegen Insekten. Die Feldarbeit ist wichtig, da sich im Labor nicht alle Umwelteinflusse simulieren lassen. Allein die Sonneneinstrahlung hier ist viel intensiver als in den Gewaechshaeusern des Institutes .

Deshalb gibts, nachdem wir alle Pflanzen untersucht haben, erst Mal eine Abkuehlung im nahegelegenen Teich. Ein kleines Gewaesser mit Frischwasserzufuhr. Wahrer Luxus hier in der Wueste!

Die naechsten zwei Wochen werde ich noch ausfuehrlicher von unserer Abeit in Utah berichten. Ab 16.06. bin ich wieder zurueck in Deutschland. Dann wird sich auch meine Freundin mit in den Blog einschalten, die auch eine Doktorarbeit im gleichen Institut macht.

So, jetzt wird erst Mal mit den anderen acht Kollegen zu Abend gegessen und dann gibts zur Entspannung noch ein Filmchen auf den Notebook...oder sollte ich noch Daten analysieren...?

 

 

 

 

 

 

Dr. Dorothea Meldau
Biologin
Dr. Stefan Meldau
Biologe
Abschluss der Promotion 2013

Bildet sich zurzeit im Bereich Wissenschafts-
kommunikation weiter.
Wissenschaftler bei der KWS SAAT AG in Einbeck