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06.01.2015
13:08

Wissenschaftliches Publizieren als Hobby

Nachdem ich ca. 1.5 Jahre als Gruppenleiter an einem MPI gearbeitet habe, bin ich nun seit einem Jahr als Wissenschaftler in der Industrie tätig. Das hat meine Einstellung zum Publizieren natürlich geändert. Während im akademischen Umfeld die Devise Publish or perish zählt, spielen für meine wissenschaftliche Arbeit in der Industrie Publikationen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. 

Ich habe aus meiner Forschungstätigkeit am MPI noch einige Datensätze die ich gern veröffentlichen möchte. Beeinflusst durch das jahrelange Training habe ich mich durchaus daran gewöhnt, permanent an irgendeiner Publikation zu schreiben. War diese Aktivität ein essentieller Bestandteil meiner akademischen Arbeit (der Publikationsausstoß hatte einen unmittelbaren Einfluss auf meine berufliche Perspektive), so ist das Anfertigen einer Veröffentlichung jetzt eher eine Freizeitbeschäftigung für mich. Natürlich dauert eine Publikation jetzt wesentlich länger als früher, allerdings kann ich mir jetzt auch mehr Zeit zum Reflektieren nehmen.

Der Wechsel zu einem Job in der Industrie verändert auch grundlegend unsere Life-Science Balance. Aber dazu mehr in weiteren Blogeinträgen...

50 KommentareViews: 2498
22.05.2012
23:09

Life(-)science balance

Christi Himmelfahrt, oder Männertag, ist der Wanderung mit Freunden gewidmet. Allerdings führt so ein Ausflug in die Natur zwanglaüfig (bei einem Naturwissenschaftler) zu beiläufigen biologischen Beobachtungen der umgebenden Flora und Fauna. So findet man an vielen Pflanzen auffällige Fraßspuren, die meist von Insekten oder Schnecken stammen. Dabei erzeugen vor allem solche Pflanzen Aufmerksamkeit, die auf Fraß-Attacken mit farbigen Verteidigungsmaßnahmen reagieren. Ein geübtes Auge bemerkt an manchen Pflanzen die leicht rötliche Färbung um die Fraßstellen herum. Die rote Farbe entsteht durch die Bildung von Anthocyaninen, das sind Verbindungen, die z.B. dem Rotwein seine Farbe geben. Diese Anthocyanine haben vielfältige biologische Funktionen. Sie dienen z.B. als pflanzliche Sonnencreme oder besitzen insektizide Eigenschaften.

Ich arbeite zwar mit klar definierten, meist genomsequenzierten Modellorganismen (wie circa 99% aller Pflanzenmolekularbiologen), allerdings wird es immer einfacher molekularbiologische Forschung an vielen verschiedenen unsequenzierten Pflanzen zu betreiben, deren Genom also noch nicht bekannt ist. Möglich wird das durch billigere Genom-Sequenzierungsmethoden. Wobei billig hier immer noch mehrere hundertaused Euro bedeutet. Aus solchen Gründen ist es allerdings auch  für den Pflanzen-Insekten-Interaktionsforscher spannend in der Natur nach bemerkenswerten Reaktionen von non-model Pflanzen auf Insektenfraß zu suchen. Denn schließöich wird es in absehbarer Zukunft möglich sein das Erbgut jedes Organismus zu entschlüsseln. So kann man am Männertag das gesellige Wandern mit Freunden auch mit der Entwicklung neuer Forschungsideen verknüpfen.

 A propos Wissenschaft und Freizeit: In Kürze werden Doro und ich unsere Blog-Aktivität bei Academics (DIE ZEIT) beginnen (http://www.academics.de/blog). Unser Blog hat den Titel Life(-)science balance. Die Balance zu finden zwischen Forscherdasein und einem normalen Familienleben gleicht oft einem Spagat, insbesondere wenn beide Partner als Wissenschaftler arbeiten.  Dieser tägliche Drahtseilakt wird in unserem Blog thematisiert.

Allerdings bleiben wir dem KISSWIN Projekt treu und freuen uns auch weiterhin hier über unser Dasein als Wissenschaftler zu berichten. 

22.05.2012
07:13

28. New Phytologist Symposium - Tag 4 (21.05.)

  Auch am letzten Tag der Konferenz ging das Programm nur bis zum Mittagessen. Danach brachen erste Teilnehmer schon gen Flughafen auf. Ich, sowie viele weitere Gäste, fliegen aber erst Morgen heim, sodass wir den Nachmittag noch zum Relaxen oder für die kulturelle Bildung nutzen konnten. Genau: Wir versuchten es nochmal mit den Kallithea Thermen. Diesmal auch mit Erfolg, auch wenn am Himmel schon wieder düstere Wolken aufzogen...

Ich muss gestehen: mir genügten die 3 Tage des Zuhörens, Präsentierens, Diskutierens (und das alles ständig auf Englisch). Irgendwann kann man nicht mehr sitzen; der Kopf ist voll, man will sich bewegen. Ich will aber erwähnen, dass ich die Konferenz super fand: Vom Thema her war sie perfekt auf mich zugeschnitten und auch dem Organisation-Team soll an dieser Stelle ein großes Lob ausgesprochen werden! Gerne wieder!

Was nehme ich mit nach Hause? PYROSEQUENCING.... lautet das Zauberwort! Aber ich packe noch eine andere Erfahrung in meinen Koffer: Wir Forscher, das relative neue Gebiet der Interaktionen von Pflanzen mit Mikroben studieren, sind nicht allein in unserer wissenschaftlichen Unvollkommenheit und Ungewissheit! Wir haben alle ähnliche Zweifel: Wonach suchen wir eigentlich? Gehen wir richtig an die Fragestellungen ran? Nutzen wir die richtigen Methoden? Sind unsere Ergebnisse vergleichbar und unabhängig von einander wiederholbar? Lieber Panorama (Fokus auf die Mikrobengesellschaft) oder Zoom (Fokus auf ein bestimmtes Bakterium)?

Wir sitzen alle in einem Boot... Diese Erkenntnis erleichtert doch sehr!

 

21.05.2012
17:37

28. New Phytologist Symposium - Tag 3 (20.05.)

  Am Sonntag gab es nur morgens Vorträge, denn um halb zwei starteten die Busse, die uns nach Rhodos zum Sightseeing brachten. Unserem Guide zufolge sind sich 80% der Urlauber nicht über die Existenz der wunderschönen Altstadt Rhodos (die sich zum UNESCO Weltkulturerbe zählen darf) bewusst vielleicht ist das auch ganz gut so. Denn allein die verbleibenden 20% reichen aus, um die kleine Altstadt zum Überlaufen zu bringen.  Rhodos ist mit seinem nahezu komplett erhaltenden, vorwiegend gotischem Stadtkern, definitiv eine Besichtigung Wert! Auch den Überbleibseln der Akropolis und dem helenistischen Stadium wurde ein Besuch abgestattet.

Wieder im Hotel angekommen, lauschten wir einer Keynote Lecture zum Thema marine Mikrobengesellschaften und deren Dynamik. Danach gab es ein ausgedehntes Abendessen und anschließend wurden die Posterpreise vergeben. Ich hatte Glück: unter den 100 Postern erhielt meines den 2. Platz und so darf ich also meinen Lebenslauf mit einem Preis schmücken!      

18.05.2012
11:44

Keine typisch griechische Erfahrung

  Der Morgen begann so schön: Etwas länger als üblich schlafen, Sonne, ein leckeres Frühstück in netter italienischer Gesellschaft... Gegen 10 Uhr machten wir uns dann zu Fuß zu den Kallithea Termen auf. Doch leider erreichten wir unser Ziel nicht. Hinter uns zogen dunkle Wolken auf und als das erste Donnergrollen zu uns drang, entschieden wir uns zur Umkehr. Keine 200m vom Hotel entfernt brach dann ein Wolkensturz auf uns nieder, inklusive Blitz, Donner und bis zu 2cm großen Hagelkörnern.  Wir flüchteten uns unter einen Hauseingang, doch es war schon zu spät wir waren schon bis auf die Haut durchgenässt. Eine viertel Stunde später, der Himmel lichtete sich schon wieder, machten wir uns auf der vereisten Straße auf den Heimweg. Im Hotel angekommen schien dann auch die Sonne...

Das war nun wirklich keine typisch griechische Erfahrung! So gibt es auf Rhodos angeblich im Mai nur 2 Regentage schön, dass diese rein rechnerisch schon hinter uns liegen (am Mittwoch hatte es hier wohl auch geregnet).

Wir werden unser Glück nochmal nach dem Mittagessen versuchen. Die Kallithea Therme liegen nur 3km entfernt und die Konferenz beginnt erst um 17 Uhr...

Dr. Dorothea Meldau
Biologin
Dr. Stefan Meldau
Biologe
Abschluss der Promotion 2013

Bildet sich zurzeit im Bereich Wissenschafts-
kommunikation weiter.
Wissenschaftler bei der KWS SAAT AG in Einbeck