KISSWIN.DE-Blog

22.05.2012
23:09

Life(-)science balance

Christi Himmelfahrt, oder Männertag, ist der Wanderung mit Freunden gewidmet. Allerdings führt so ein Ausflug in die Natur zwanglaüfig (bei einem Naturwissenschaftler) zu beiläufigen biologischen Beobachtungen der umgebenden Flora und Fauna. So findet man an vielen Pflanzen auffällige Fraßspuren, die meist von Insekten oder Schnecken stammen. Dabei erzeugen vor allem solche Pflanzen Aufmerksamkeit, die auf Fraß-Attacken mit farbigen Verteidigungsmaßnahmen reagieren. Ein geübtes Auge bemerkt an manchen Pflanzen die leicht rötliche Färbung um die Fraßstellen herum. Die rote Farbe entsteht durch die Bildung von Anthocyaninen, das sind Verbindungen, die z.B. dem Rotwein seine Farbe geben. Diese Anthocyanine haben vielfältige biologische Funktionen. Sie dienen z.B. als pflanzliche Sonnencreme oder besitzen insektizide Eigenschaften.

Ich arbeite zwar mit klar definierten, meist genomsequenzierten Modellorganismen (wie circa 99% aller Pflanzenmolekularbiologen), allerdings wird es immer einfacher molekularbiologische Forschung an vielen verschiedenen unsequenzierten Pflanzen zu betreiben, deren Genom also noch nicht bekannt ist. Möglich wird das durch billigere Genom-Sequenzierungsmethoden. Wobei billig hier immer noch mehrere hundertaused Euro bedeutet. Aus solchen Gründen ist es allerdings auch  für den Pflanzen-Insekten-Interaktionsforscher spannend in der Natur nach bemerkenswerten Reaktionen von non-model Pflanzen auf Insektenfraß zu suchen. Denn schließöich wird es in absehbarer Zukunft möglich sein das Erbgut jedes Organismus zu entschlüsseln. So kann man am Männertag das gesellige Wandern mit Freunden auch mit der Entwicklung neuer Forschungsideen verknüpfen.

 A propos Wissenschaft und Freizeit: In Kürze werden Doro und ich unsere Blog-Aktivität bei Academics (DIE ZEIT) beginnen (http://www.academics.de/blog). Unser Blog hat den Titel Life(-)science balance. Die Balance zu finden zwischen Forscherdasein und einem normalen Familienleben gleicht oft einem Spagat, insbesondere wenn beide Partner als Wissenschaftler arbeiten.  Dieser tägliche Drahtseilakt wird in unserem Blog thematisiert.

Allerdings bleiben wir dem KISSWIN Projekt treu und freuen uns auch weiterhin hier über unser Dasein als Wissenschaftler zu berichten. 

22.05.2012
07:13

28. New Phytologist Symposium - Tag 4 (21.05.)

  Auch am letzten Tag der Konferenz ging das Programm nur bis zum Mittagessen. Danach brachen erste Teilnehmer schon gen Flughafen auf. Ich, sowie viele weitere Gäste, fliegen aber erst Morgen heim, sodass wir den Nachmittag noch zum Relaxen oder für die kulturelle Bildung nutzen konnten. Genau: Wir versuchten es nochmal mit den Kallithea Thermen. Diesmal auch mit Erfolg, auch wenn am Himmel schon wieder düstere Wolken aufzogen...

Ich muss gestehen: mir genügten die 3 Tage des Zuhörens, Präsentierens, Diskutierens (und das alles ständig auf Englisch). Irgendwann kann man nicht mehr sitzen; der Kopf ist voll, man will sich bewegen. Ich will aber erwähnen, dass ich die Konferenz super fand: Vom Thema her war sie perfekt auf mich zugeschnitten und auch dem Organisation-Team soll an dieser Stelle ein großes Lob ausgesprochen werden! Gerne wieder!

Was nehme ich mit nach Hause? PYROSEQUENCING.... lautet das Zauberwort! Aber ich packe noch eine andere Erfahrung in meinen Koffer: Wir Forscher, das relative neue Gebiet der Interaktionen von Pflanzen mit Mikroben studieren, sind nicht allein in unserer wissenschaftlichen Unvollkommenheit und Ungewissheit! Wir haben alle ähnliche Zweifel: Wonach suchen wir eigentlich? Gehen wir richtig an die Fragestellungen ran? Nutzen wir die richtigen Methoden? Sind unsere Ergebnisse vergleichbar und unabhängig von einander wiederholbar? Lieber Panorama (Fokus auf die Mikrobengesellschaft) oder Zoom (Fokus auf ein bestimmtes Bakterium)?

Wir sitzen alle in einem Boot... Diese Erkenntnis erleichtert doch sehr!

 

21.05.2012
17:37

28. New Phytologist Symposium - Tag 3 (20.05.)

  Am Sonntag gab es nur morgens Vorträge, denn um halb zwei starteten die Busse, die uns nach Rhodos zum Sightseeing brachten. Unserem Guide zufolge sind sich 80% der Urlauber nicht über die Existenz der wunderschönen Altstadt Rhodos (die sich zum UNESCO Weltkulturerbe zählen darf) bewusst vielleicht ist das auch ganz gut so. Denn allein die verbleibenden 20% reichen aus, um die kleine Altstadt zum Überlaufen zu bringen.  Rhodos ist mit seinem nahezu komplett erhaltenden, vorwiegend gotischem Stadtkern, definitiv eine Besichtigung Wert! Auch den Überbleibseln der Akropolis und dem helenistischen Stadium wurde ein Besuch abgestattet.

Wieder im Hotel angekommen, lauschten wir einer Keynote Lecture zum Thema marine Mikrobengesellschaften und deren Dynamik. Danach gab es ein ausgedehntes Abendessen und anschließend wurden die Posterpreise vergeben. Ich hatte Glück: unter den 100 Postern erhielt meines den 2. Platz und so darf ich also meinen Lebenslauf mit einem Preis schmücken!      

21.05.2012
07:53

28. New Phytologist Symposium - Tag 2 (19.05.)

  Am zweiten Tag war ein Vortragsmarathon angesagt. Von 9 bis 18:30 Uhr wurde unser Sitzfleisch trainiert. Auch wenn das Symposium generell Mikroben-Pflanzen Interaktionen thematisierte, wurde schnell ersichtlich, dass es von Pflanzen-assoziierten Bakteriengesellschaften und deren Erforschung dominiert war. Methodentechnisch wurde sehr viel über Pyrosequenzierung berichtet. Ich will hier aber nicht näher auf die Methode eingehen... Jedenfalls priesen fast 75% aller Vortragenden Daten, die durch diese Methode gewonnen wurden, an. Irgendwann konnte ich es kaum noch hören... Früher wurde die Mikrobenvielfalt mittels dem Ausstreichen von Gewebeproben auf Kulturmedien und anschließendem Auszählen von Kolonien und Morphologietypen bestimmt. Damit konnte man natürlich nur die kultivierbaren Bakterien erreichen. Jetzt rücken immer mehr biotechnologische Verfahren in den Vordergrund. Diese beruhen meist auf der Analyse der Gensequenz eines bestimmten Genes (16S rRNA) und das hat seine Vor-und Nachteile: Natürlich nimmt man mit den modernen Methoden alle anwesenden Mikroben mit, aber man erzeugt auch riesige Mengen an Daten, die erst mal am Computer aufwendig verarbeitet werden müssen. Die Datenschwämme führt auch dazu, dass man den Blick für das Wesentliche schnell verliert, und, letztlich kann man mit in silico Mikroben, von denen nur die bloße Existenz bekannt ist, nicht weiterarbeiten, also keine weiteren Laborversuche veranstalten (e.g. Wachstumseffekte untersuchen). Schließlich muss man auch das nötige Kleingeld haben, um mal hunderte Pflanzenproben durchsequenzieren und bioinformatisch aufarbeiten zu lassen. Allen Nachteilen zum Trotz entwickelt sich der Trend zur Pyrosequenzierung immer weiter. Frei nach dem Motto: Erst mal schauen, was sich alles so in meinen Pflanzenwurzeln rumtreibt.... Der Tag klang mit einer weiteren Postersession aus.

20.05.2012
07:21

28. New Phytologist Symposium - Tag 1 (18.05.)

  Am Freitag brachen immer wieder Regenschauer über Kallithea nieder und so verabschiedeten wir uns von unseren Sightseeing-Plänen.

Am späten Nachmittag ging dann die Konferenz los. Langsam trudelten alle geladenen Gäste ein, und ein Kollege und ich versuchten, all die Stars, die wir von Veröffentlichungen kannten nur mit Namen kannten, den Gesichtern zuzuordnen. Den ein oder anderen (bzw. die ein oder andere) hatten wir schon mal gesehen, doch oft erlebten wir auch Aha-Effekte. Auch den ein oder anderen PhD Studenten erkannten wir wieder und schon war das Eis gebrochen und es entwickelten sich interessante Gespräche.

Den ersten Vortrag hielt Jo Handelsman von der Yale University. (Nochmal zu Erinnerung: Thema der Tagung ist Diversität und Funktion von Pflanzen- assoziierten Mikrobengesellschaften. Zu gut Deutsch: Welche Mikroben (z.B. Bakterien oder Pilze) warum auf/in welchen Pflanzenorganen (z.B. Wurzel oder Blätter) leben und wie sie die Pflanze oder andere Mikroben im Wachstum / in der Fitness beeinflussen). Danach ging es fließend in die Postersession über. Mein Poster erfreute sich großer Beliebtheit, so dass ich es ca. 10 Mal in den 90min dem immer wieder wechselnden Auditorium präsentieren durfte. Da alle Poster an einem Ort konzentriert waren und man 5 Nachbarn hatte, ging es ganz schön laut zu. Auch gab es keine festgelegten Präsentationszeiten (z.B. erst alle geraden Poster, dann die ungeraden Nummer...) und somit hatte ich selber kaum eine Chance, andere Poster anzuschauen. Doch, was soll man tun? Einerseits will man seine eigene Arbeit möglichst spannend an den Mann / die Frau bringen, anderseits ist es Zweck einer Konferenz, Einblicke in andere Forschungsarbeiten zu bekommen. Ich musste also einen Kompromiss finden. Letztlich entschied ich mich, die anderen Poster während den morgigen Kaffeepausen anzuschauen. 

 

 

Dr. Dorothea Meldau
Biologin
Dr. Stefan Meldau
Biologe
Abschluss der Promotion 2013

Bildet sich zurzeit im Bereich Wissenschafts-
kommunikation weiter.
Wissenschaftler bei der KWS SAAT AG in Einbeck