KISSWIN.DE-Blog

06.08.2012
08:52

Sonderforschungsbereich (SFB)

Dieses Blog schrieb ich schon im Juni, doch es verschwand im "Sommerloch" ;) Da es trotzdem noch Aktualität aufweist, poste ich es nun, mit fast 2 Monaten Verspätung.

Freitag früh um 5 Uhr ging es los: eine Kollegin fuhr mit dem VW Bus vor und als unser Trio komplett war, fuhren wir Richtung Dortmund. Es erinnerte schon ein wenig an Urlaub, so früh unterwegs zu sein. Doch, natürlich war es dies nicht. Nein, wir drei Wissenschaftler waren unterwegs zu einem Kick-Off-Treffen bei dem es um die Grundsteinlegung eines Scientific Priority Programm (Sonderforschungsbereich, SFB) ging. Da unser Chef durch Feldarbeiten in Utah verhindert war, durften wir drei, mikrobiell-interessierten Forscher ihn vertreten.

Ein SFB besteht (meistens) aus einem interdiziplärem Forschungsvorhaben, in das verschiedene Forschergruppen unterschiedlicher Universitäten und Forschungseinrichtungen involviert sind. Die Finanzierung solcher SFBs übernimmt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), muss bei dieser beantragt werden und durchläuft ein stringentes, über 2 Jahre dauerndes, Auswahlverfahren. Das Kick-Off-Treffen, welches wir besuchten, repräsentierte gerade mal den Auftakt eines Antragsverfahrens: die DFG hatte am Themenvorschlag angebissen und die Organisatoren aufgerufen, potentiell interessierte Forschergruppen zusammen zu trommeln, um Inhalte und Ziele und letztlich die Teilnahme am Schirmprojekt zu diskutieren und mit den anderen Forschergruppen auf Tuchfühlung zu gehen. Neben unserer Arbeitsgruppe, waren 20 weitere Forschungsgruppen und die Programmdirektorin für Molecular Plant Sciences der DGF vertreten.

So stellte jede Gruppe in 5min mehr Zeit blieb nicht ihre Forschungsschwerpunkte, wissenschaftliche Expertise, sowie möglichen Beiträge zum Konzept und Kooperationsmöglichkeiten vor. Ob wir letztlich Teil des SFB sein werden, steht noch nicht fest. Der Weg jedoch, der vor den Hauptantragstellern liegt, ist klar definiert. Wenn sich ein wissenschaftlicher Kern gefunden hat, muss dieser zum 15.10. 2012 einen aufwendigen, überzeugenden Antrag formulieren, über dessen Annahme im April 2013 entschieden wird. Erst danach kann die Finanzierung konkreter Teilprojekte beantragt werden, die nochmals eine separate Begutachtung durchlaufen. Mit dem Start der einzelnen Projekte kann erst im Frühling 2014 gerechnet werden.

Gut Ding braucht Weile!

 

 

05.08.2012
05:25

Cornell

  Die Cornell-Universität befindet sich in Ithaca, im Bundesstaat New York. Ich wohne für eine Woche bei einem Wissenschaftler, der am Boyce-Thompson-Institut für Pflanzenforschung arbeitet. Im Vergleich zu den meisten Unis, die ich in Deutschland kenne, ist der Campus riesig. Man merkt, dass Unis, wie Cornell oder Harvard, wie eine Firma geführt werden und einen Etat verwalten, der dem mancher kleiner Länder entspricht. Riesige Forschungskomplexe sind in die reizende Landschaft eingebunden. Wenn man aus den Fenstern oberer Etagen schaut, sieht man die Seen und die durch Gletscher, während der letzten Eiszeit, geformten Täler.

 In Cornell gibt es besonders viele Forscher, die auf meinem Gebiet arbeiten und ich habe schon mit vielen von ihnen sprechen können, deshalb war der bisherige Aufenthalt bereits eine Bereicherung für mich. Die meisten Leute kannte ich nur von Publikationen. Nächste Woche werde ich einen Vortrag über ein Projekt halten, dass ich in Kürze publizieren möchte, daher ist es wichtig, auch mal eine Meinung von externen Experten zu bekommen; zumal vielleicht einige der Forscher als Gutachter für mein Manuskript in Frage kommen.

 Wie immer in den USA bin ich anfangs von der Offenheit der Leute und von der Schönheit der Natur beeindruckt. Nicht nur geographisch, sondern auch geistig scheint es hier weniger Grenzen zu geben. Im Vergleich zu Deutschland hat das Leben hier allerdings auch einige Nachteile, insbesondere für junge Familien mit Kindern. Darüber werde ich noch einen ausführlichen Blog auf unserer Seite bei Academics schreiben.

24.06.2012
13:12

iDiv

  Das neue Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) entsteht in Leipzig und wird von der Universität Leipzig (UL), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) getragen. Neben dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie (MPI BGC), dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA), dem Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB), dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), dem Leibniz-Institut Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), dem Leibniz-Institut DSMZDeutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, wird sich auch unser Max-Planck-Institut für chemische Ökologie (MPI CE) mit eine externen Arbeitsgruppe am iDiv beteiligen.  Die Leitung dieser Arbeitsgruppe werde ich übernehmen.

Biodiversität ist die Anzahl der Arten, die in einem bestimmten Habitat vorkommen. Das iDiv wird nicht nur  Artenzusammensetzungen, sondern auch die Mechanismen untersuchen, die zur Artenvielfalt beitragen bzw. diese bestimmen.

Die Interaktion zwischen einzelnen Arten, z.B. Pflanzen und Insekten, wird maßgeblich von chemischen Merkmalen bestimmt. Giftige Abwehrstoffe mancher Pflanzen haben möglicherweise einen negativen Einfluss auf die Insektenvielfalt, wohingegen Blütenduftstoffe Bestäuber anlocken und somit Artenreichtum fördern.

Mit meiner Arbeitsgruppe werde ich den Einfluss solcher chemischen Signale auf die Biodiversität untersuchen.  Dabei werden wir mit Pflanzen arbeiten, bei denen diese Merkmale genetisch verändert sind. Meine Aufgabe in Leipzig wird es auch sein, eine Schnittstelle zwischen dem iDiv und unserem Institut herzustellen. Nur durch interdisziplinäre Ansätze (Ökologie, Bioinformatik, Chemische Analytik, Genetik...) wird es uns gelingen die Faktoren zu identifizieren, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Biodiversität haben.

Morgen, also am Montag (25.06.2012) werde ich meinen ersten Vortrag am iDiv in Halle geben. Die nächsten Monate werden also recht spannend und ich werde hier im Blog von meinen neuen Aufgaben berichten.

13.06.2012
20:38

DAAD travel grant

  Jetzt als Postdoc wird es langsam Zeit sich selbst um die Finanzierung seiner Wissenschaft zu kümmern. Ich arbeite mit zwei Diplomanden an der pflanzlichen Schneckenresistenz, ein Projekt das großes öffentliches Interesse erzeugt. Jeder kennt die kleinen Schleimkriecher und es ist erstaunlich wenig über deren Biochemie/Molekularbiologie bekannt, obwohl jährlich enorme Schäden in der Landwirtschaft durch Schnecken entstehen. Da grüne Gentechnik oft mit einem faden Beigeschmack daherkommt, muss man sich als Pflanzenbiochemiker mit alternativen Strategien zur Schneckenbekämpfung beschäftigen. Eine Methode, die auf traditionelle Kreuzung zurückgreift, ist das Marker-assisted-breeding. Um mit dieser Methode pflanzliche Merkmale der Schneckenresistenz zu finden habe ich zusammen mit einem amerikanischen Prof., ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet, ein Projekt geplant. Der Prof forscht an der angesehenen Cornell Universität und jetzt ist es an der Zeit ihm mal einen Besuch abzustatten. Mein Antrag an den Deutschen-Akademischen-Austauschdienst (DAAD) für einen Besuch in Cornell ist stattgegeben wurden. Dazu musste ich begründen warum ich dorthin reise und der Prof musste mir eine Einladung schicken, aus der u.a. hervorgeht, dass er mir eine Unterkunft zur Verfügung stellen kann.  Jetzt da der Antrag durch ist, werde ich meine Reise nach Cornell planen können. So bekomme ich vom DAAD einen Reisekostenzuschuß von 1050 Euro. Das sollte für die Flüge reichen.

30.05.2012
20:57

voll im Trend: High-Speed Promotion

Wie schon erwähnt, hatte ich mich im April um einen carreer orientation grant beworben. Der Antrag wurde leider nicht angenommen. Was sind die Gründe dafür? Freundlicherweise habe ich einen plausiblen Beweggrund für die negative Entscheidung erfahren: Ich habe für deutsche Verhältnisse zu lange für meine Doktorarbeit gebraucht (5 Jahre). Die Graduiertenschule folgt den Richtlinien der DFG: eine Doktorarbeit sollte in ca. 3 Jahren abgeschlossen sein. Da helfen auch keine 9 Publikationen als Rechtfertigung für die lange Promotionsphase.

Während Entscheidungsträger an Max Planck Instituten oft einen großzügigen finanziellen Spielraum haben, der es zum Beispiel erlaubt, Promotionen über die 3 Jahresfrist hinaus zu fördern, ist es sicher an anderen Forschungseinrichtungen schwieriger, eine Folgefinanzierung auf die Beine zu stellen. Deshalb ist es gegenüber Studenten mit gewöhnlichen Promotionslängen unfair, einen Grant als Belohnung für eine überdurchschnittlich lange Promotion zu vergeben.

 Was lerne ich daraus? Ich werde bei künftigen Anträgen darauf achten müssen, meine lange Promotionsphase zu begründen. Gute Gründe sind zum Beispiel die Geburt unseres Kindes, die Betreuung von Diplomanden/Doktoranden oder der Start unabhängiger Projekte. Sicher ist es auch von Vorteil, wenn der Chef in einer Beurteilung etwas über seine Beweggründe für die lange Finanzierung der Doktorarbeit schreibt: Immerhin hatte ich auch schon fast 2 Jahre vorher meine 3 Publikationen zusammen die für eine kumulative Promotion genügt hätten.

Eine Frage bleibt: Welche Qualifikationen sind wichtig um den Titel Dr. rerum naturalium (Dr. der Naturwissenschaften) zu tragen? Durch die Promotion wird dem Kandidaten die Fähigkeit zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten bescheinigt. Genügt es daher ein kleines, vom Betreuer ausgetüfteltes Projekt in drei Jahren, ohne über den Tellerrand hinweg zu schauen, abzuarbeiten? Ist es nicht vielleicht wichtiger, eigene wissenschaftliche Ziele zu verfolgen und dafür in Kauf zu nehmen, dass deren Verwirklichung vielleicht etwas länger als drei Jahre in Anspruch nimmt?  Dem Anschein nach wird von heutigen Entscheidungsträgern vermehrt die Geschwindigkeit bevorzugt. Dass wichtige wissenschaftliche Erkenntnise, sowie persönliche Erfahrungen bei high-speed Promotionen auf der Strecke bleiben, wird dabei anscheinend akzeptiert.

 

Dr. Dorothea Meldau
Biologin
Dr. Stefan Meldau
Biologe
Abschluss der Promotion 2013

Bildet sich zurzeit im Bereich Wissenschafts-
kommunikation weiter.
Wissenschaftler bei der KWS SAAT AG in Einbeck